An der Grundschule an der Kleinen Elz in Kenzingen sorgen die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen als „Pausenengel“ für stressfreie, erholsame Pausen.

Pausenengel:

  • sind im Schulhaus unterwegs
  • helfen, wenn nötig
  • melden es, wenn ein Kind in Gefahr ist
  • schreiten ein bei Meinungsverschiedenheiten
  • helfen den Kindern, die gestürzt sind
  • schauen sich auf dem Hof um
  • trösten
  • achten auf alle Kinder
  • holen die Aufsicht bei einem bösen Streit

Sie betreiben:

Friedenserziehung Gewaltprävention und
zeigen Zivilcourage  

Das Angebot „Pausenengel“ wurde im Jahr 2009 an der Kenzinger Grundschule eingeführt. Grund war die Beobachtung, dass in den beiden großen Pausen sehr viele negative soziale Interaktionen stattfanden sowie körperliche Verletzungen. Deshalb suchten Birgit Beck und das damalige Kollegium eine Möglichkeit, die beiden Aufsicht führenden Lehrkräfte zu entlasten, aber auch allen Schülern der Klassen eins bis vier Hilfestellung im Lernfeld des sozialen Miteinanders zu geben. Die damalige Konrektorin Gisela Kuschill entdeckte das Konzept der Pausenengel und führte dieses ein, eindem sie es jeweils mit Schülern der vierten Klassen einstudierte und diese zu Pausenengeln ausbildete. Im Jahr 2018 übernahm ich als Schulsozialarbeiter diese Aufgabe.

Unterstützung für die Pausenaufsicht

Das Konzept der Pausenengel ist von Martina Vogel für Schüler mit hohem sonderpädagogischem Förderbedarf entwickelt worden. Inzwischen wird die Methode an vielen verschiedenen Schularten angewandt, vor allem jedoch an Grundschulen. Die Pausenengel sollen die Pausenaufsicht führenden Lehrer begleiten. Der dahinterstehende Gedanke ist, dass die Schüler oftmals andere Dinge sehen und hören als die Erwachsenen. Sie sind auch näher an den Mitschülern dran. Dabei ist herauszuheben, dass die Pausenengel nicht die Pausenaufsicht übernehmen, sondern diese nur unterstützen sollen. Die Schüler agieren als Pausenengel eher im Hintergrund und nehmen wahr, wenn es Mitschülern schlecht geht beziehungsweise sich diese nicht wohlfühlen- sowohl psychisch als auch physisch. Davon ausgehend, dass sich Schüler, die sich in den Pausen stressfrei austoben und erholen können, besser auf den Unterricht konzentrieren können, ist diese unterstützende Methode eine Bereicherung für alle Beteiligten im Schulalltag.
An der Grundschule Kenzingen wurde in einem Punkt bewusst vom ursprünglichen Konzept abgewichen. Denn es werden von Beginn an alle Viertklässler als Pausenengel eingesetzt. Dies widerspricht dem Gedanken, dass die Schüler freiwillig diese Aufgabe übernehmen. Dahinter steckt die Idee, dass alle Kinder die Erfahrung als Pausenengel machen sollen und dies ein wichtiger Bestandteil des Sozialen Kernens ist. Somit übernehmen alle Schüler der Grundschule diese Aufgabe und können die damit verbundenen Erfahrungen machen.

 

Verschiedene Aufgaben

Die Ausbildung verläuft nach dem bewährten Konzept von Martina Vogel. Dies beginnt mit der Vorstellung der Idee in den vierten Klassen. Da die Schüler der Klassen eins bis drei bereits Pausenengel erlebt haben, kennen sie das Grundgerüst der Aufgaben. Dies kann in der zentralen ersten Einheit vertieft und konkretisiert werden. Ihre Aufgaben wie  Zuhören, Körpersprache Deuten und Einsetzen, Kopfnicken als Bestätigung oder Nachfragen werden erklärt und ihre Wichtigkeit erarbeitet. Dazu gehören zudem einfache, konkrete Tätigkeiten wie beim Schließen von Jacken zu helfen, vor allem bei den Erstklässlern, und beim Binden von Schuhen, Trösten und vor allem aufmerksames Beobachten, was auf dem Schulhof passiert, und Erkennen, wo ein Kind Hilfe braucht. Als dritte Säule werden die Situationen erörtert, in denen akut die Hilfe der Pausenengel von anderen Schülern benötigt wird. Dies wird anhand von Beispielen mit der Gruppe, jeweils einer vierten Klasse, durchgesprochen.
Die Schulwochen werden in Kenzingen am Anfang des Schuljahres unter den vierten Klassen aufgeteilt. In der Regel ist die Schule dreizügig, sodass jede Gruppe etwa zehn Wochen als Pausenengel agiert. Innerhalb einer Klasse werden Gruppen von vier oder fünf Schülern gebildet, was bedeutet, dass jeder Schüler zweimal in der Woche als Pausenengel unterwegs ist.
In dieser Zeit werden die jeweiligen Klassen begleitet, derzeit von mir. Dabei ist die Betreuung in der Anfangszeit sehr eng. Das heißt, die jeweiligen Schüler im „Pausenengeldienst“ können Fragen stellen und immer Hilfe holen. Nach einigen Wochen ist die begleitende Person nicht in jeder Pause direkt vor Ort, aber die Viertklässler wissen, wo sie Unterstützung holen können.

Herausforderungen

Natürlich gibt es auch Schwierigkeiten im Alltag der Pausenengel und nicht alle Schüler der Klassenstufe vier sind mit gleichem Engagement bei der Sache. Wichtig ist vor allem, die Kinder für ihre Aufgabe als Pausenengel zu schulen. Trotzdem kommen einzelne Schüler hin und wieder in einen Rollenkonflikt und versuchen, über andere zu bestimmen und wollen „Polizei“ oder „Sheriff“ sein. Dies wird dann mit den einzelnen Schülern, der jeweiligen Gruppe oder der gesamten Klasse besprochen.
Genauso wichtig ist es, dass die Kinder bei verbalen oder körperlichen Auseinandersetzungen nicht direkt vor Ort versuchen, eine Streitschlichtung anzuschließen. Oftmals wird aber gerade das als Aufgabe der Pausenengel angesehen. Dies ist jedoch nicht zielführend, da Konflikte mit zeitlichem Abstand aus der Welt geschafft werden müssen und es dazu einer speziellen Schülerstreitschlichterausbildung bedarf. Bei größeren Konflikten ist zudem eine professionelle Streitschlichtung notwendig, die Grundschüler aufgrund ihres Alters nicht leisten können. An der Grundschule Kenzingen wird dies durch die Beratungslehrerin und den Schulsozialarbeiter abgedeckt. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass manche Schüler die Pausenengel nicht ernst nehmen und die hilfe nicht annehmen wollen oder können. Hier sind trotz kleiner Rückschläge und Negativerlebnisse Durchhaltevermögen und Konsequenz gefragt. Somit erarbeiten sich die jeweiligen Pausenengel den Respekt aller Schüler.

Positive Erfahrungen

Zu den häufigsten Aufgaben im Alltag der Pausenengel gehören bei uns an der Schule die Hilfe bei Verletzungen, hier vor allem Schürfwunden. Die verletzten Kinder werden von den Pausenengeln meistens eigenständig zum Sekretariat gebracht, wo diese dann weiter betreut werden. Genauso kommen kleine verbale Auseinandersetzungen häufig vor, dies können von den Pausenengeln zumeist unterbunden werden.
Bei anderen, schweren Konflikten oder Auseinandersetzungen -unabhängig ob diese verbaler oder körperlicher Natur sind - ziehen die Pausenengel sofort die Aufsicht führenden Lehrkräfte oder den Schulsozialarbeiter hinzu. Für den Ablauf großer Pausen sind die Pausenengel eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung der Grundschule an der Kleinen Elz in Kenzingen. Die gesamte Schulgemeinschaft profitiert von diesem einsatz der jeweiligen Viertklässler. Für die Schüler der vierten Klassen, die vor dem Wechsel in eine weiterführende Schule stehen, ist diese Erfahrung, sich in die Gefühlslage der anderen und zumeist jüngeren Schüler zu versetzen, sehr wichtig. Dazu ist die Helferrolle für die Kinder im Alter von meistens neun bis zehn Jahren eine persönlichkeitsfördernde Aufgabe. Für die Schüler der Klassen eins bis drei haben die Pausenengel eine Vorbildfunktion und sie wissen, dass das gesamte Miteinander auf dem Pausenhof geregelter abläuft. Schließlich sind die Schüler hier auch eine gute Unterstützung für das Kollegium und den Schulsozialarbeiter, indem sie mehr und andere dinge in den Pausen sehen sowie in vielen Fällen durch ihre Erfahrungen differenzierter mit Konflikten umgehen können.

Der Autor:
Christoph Meybrunn ist 43 Jahre alt und Diplom-Sozialarbeiter (FH). Seit januar 2013 ist er bei der Stadt Kenzingen für die Schulsozialarbeit an der Grundschule und am Gymnasium zuständig sowie für die kommunale Jugendarbeit. Zuvor arbeitete er acht Jahre lang bei der Pro Juve Caritas Jugendhilfe Hochrhein in der stationären Jugendhilfe und der Ganztagsbetreuung einer Förderschule.

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