Die Geschichte wird durch Zeitzeugen lebendig. (Badische Zeitung vom 28.02.2015)

Vor rund 20 Jahren hat die engagierte Pädagogin Roswitha Weber den Kontakt zu Inge Auerbacher geknüpft.

Vorbereitung für den Inge-Auerbacher-Tag: Seit rund 20 Jahren hat die Grundschule Kenzingen das Thema Nazi-Terror und Vertreibung im Lehrplan. Der Impuls kam von Roswitha Weber, vorbereitet wird im Team.
Von links Rektorin Birgit Beck, Anne Oettlin, Roswitha Weber und Robert Krais.
Foto: Ilona Hüge

Die Kenzinger Grundschule bereitet sich auf den "Inge-Aucherbacher-Tag" vor. Seit rund 20 Jahren besteht der Kontakt zu Inge Auerbacher, dem letzten Kind einer jüdischen Familie, das in Kippenheim auf die Welt kam. Für die Schule ist es ein kleines Jubiläum, denn seit dieser Zeit beschäftigen sich die Grundschüler auf Initiative von Roswitha Weber mit Themen wie Flucht, Vertreibung und Verfolgung.

Als 1990 das Buch "Ich bin ein Stern" von Inge Auerbacher auf Deutsch erschien, standen Themen wie Weltreligionen, andere Kulturen, Toleranz und das tägliche Bemühen um weniger Gewalt noch nicht auf dem Lehrplan von Grundschulen. Für die engagierte Pädagogin Roswitha Weber, seit 1988 an der Grundschule Kenzingen tätig, gab die Entdeckung des Buchs den Anlass, sich intensiver mit dem Thema zu befassen. Sie brachte den schmalen Band mit den Erinnerungen Inge Auerbachers an ihre Kindheit im Konzentrationslager als Klassenlektüre für die vierte Klasse mit, und sie nahm Kontakt mit der Autorin auf.

Inge Auerbacher, Jahrgang 1934, war das letzte jüdische Baby, das in Kippenheim auf die Weltkam. Ihre Familie kam ins Konzentrationslager Theresienstadt. Inge Auerbacher überlebte das KZ, erlebte die Befreiung und fand mit ihrer Familie ein Jahr nach Kriegsende in New York eine neue Heimat. Sie antwortete auf Roswitha Webers Brief, und 1998 kam es zur ersten Begegnung mit Kenzinger Grundschülern. Seitdem hat sie mehrmals die Grundschule in Kenzingen besucht.

Unterstützt werden die Besuche vom deutsch-israelischen Arbeitskreis (DIA). "Das Lebendigwerden durch jemand, der es selbst erlebt hat, ist durch nichts zu ersetzen, sagt Robert Krais vom DIA zur Begegnung mit einem Zeitzeugen. Diese Erfahrung machte auch Roswitha Weber und mit ihr das Kollegium der Grundschule. Inge Auerbacher kam – "und dann wuchs es ins Kollegium hinein", sagt sie.

Rektorin Birgit Beck und Anne Oettlin, inzwischen im Ruhestand, bestätigen das. Als der Bildungsplan für die Grundschule nachzog und seit 2004 auch das soziale Miteinander zum Inhalt hat, gab es solche Themen wie Flucht, Vertreibung, Ausgrenzung schon längst an Kenzingens Grundschule. 2005 wurde ganz konkret der "Inge-Auerbacher-Tag" in der Grundschule eingeführt. Roswitha Weber hatte bis dahin einige Erfahrungen gesammelt: Es sei nicht immer einfach gewesen, die Eltern dafür zu gewinnen, und es habe auch die Lehrer vor Herausforderungen gestellt, manche Fragen der Kinder zu beantworten. Das Gespräch mit der Zeitzeugin Inge Auerbacher erwies sich dabei immer wieder als große Hilfe.

So fand Roswitha Weber zum Beispiel auch ihren spannenden Einstieg ins Thema: Sie geht mit einem kleinen alten Köfferchen in die Schulklassen und fragt ihre Schüler, was sie auf die Flucht mitnehmen würden. Man müsse ganz konkret auf das eingehen, was aktuell ist, sagt sie.

Beim schulinternen Inge-Auerbacher-Tag am 4. März wird auch noch etwas Neues präsentiert. Die 22 Gedichte, die Inge Auerbacher in der englischen Ausgabe ihrer Buches veröffentlichte, wurden mit Hilfe des DIA übersetzt und werden erstmals bei ihrem Besuch in Kenzingen vorgestellt.